Energie-Paradoxon: Warum Sonne und Wind die Strompreise unter Null treiben

aktuell, 27.04.2026

Die Kombination aus strahlendem Sonnenschein und kräftigem Wind sorgt derzeit für volle Energiespeicher, stellt den Strommarkt aber vor eine bizarre Herausforderung: Erzeuger müssen zeitweise dafür bezahlen, dass ihr Strom abgenommen wird.

Das Phänomen negativer Strompreise an der Strombörse tritt immer dann auf, wenn das Angebot an elektrischer Energie die tatsächliche Nachfrage massiv übersteigt und das System an seine Grenzen stößt - so wie auch in dieser Woche!

In einem stabilen Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt exakt so viel Energie eingespeist wie verbraucht werden, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Produzieren Windräder und Solaranlagen wetterbedingt mehr Strom, als Fabriken, Haushalte und Speicher gleichzeitig abnehmen können, entsteht ein Überdruck im Netz.

Da Strom in diesen Mengen bisher nur begrenzt speicherbar ist, muss der Markt Anreize schaffen, damit entweder Erzeuger ihre Produktion drosseln oder Verbraucher zusätzliche Lasten zuschalten.

 

Ein wesentlicher Grund für das Abrutschen in den Minusbereich ist die Trägheit konventioneller Kraftwerke, das sogenannte „Must-Run“-Problem: Große Kohlekraftwerke lassen sich technisch oft nicht innerhalb weniger Minuten abschalten und wieder hochfahren.

Die Kosten für einen kompletten Stopp und den anschließenden Neustart sind für die Betreiber oft höher, als den Strom für einige Stunden zu negativen Preisen „zu verschenken“ oder sogar Geld dafür zu bezahlen, dass er abgenommen wird. In Kombination mit unflexiblen Einspeisevergütungen führt dies dazu, dass das Netz mit Energie geflutet wird, obwohl der Bedarf längst gedeckt ist.

Für die aktuelle Woche zeichnet sich genau dieses Szenario erneut ab (s. Grafik). Die stabile Hochdrucklage mit viel Sonnenschein und einem beständigen Ostwind sorgt deutschlandweit für eine maximale Einspeisung aus Erneuerbaren Energien. Da die Prognosen bis einschließlich zum Maifeiertag am Freitag nahezu wolkenlose Bedingungen und kräftige Windböen aus Ost vorhersagen, ist mit einer massiven Überproduktion zu rechnen. Besonders am kommenden Feiertag, wenn die industrielle Nachfrage traditionell sinkt, dürften die Börsenstrompreise aufgrund des sonnigen und windigen Wetters erneut tief ins Negative rutschen.

 

Dieser Trend wird sich auch künftig weiter intensivieren, da der massive Zubau an Photovoltaik und Windkraft das Angebot immer häufiger über die Nachfragegrenze drückt.

Während dies für Besitzer dynamischer Stromtarife die Chance auf extrem günstigen oder gar geschenkten Strom bietet, erhöht es den Druck auf den Ausbau von Batteriegroßspeichern und flexiblen Wasserstoff-Elektrolyseuren.

Nur durch solche Technologien kann der grüne Energieüberschuss künftig sinnvoll genutzt werden, statt bei starkem Ostwind und strahlender Sonne die Marktpreise ins Minus zu treiben.

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