aktuell, 15.05.2026
Teil 2: Fünf Jahre ist es nun her, dass das verheerende Unwettertief „Bernd“ große Teile Westdeutschlands verwüstete. Nachdem wir im ersten Teil unserer Reportage-Reihe die aktuelle Situation an der Ahr beleuchtet haben, führt uns der zweite Teil nach Schleiden in die benachbarte Nordeifel.
Der Eifelort Schleiden im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen wurde im Juli 2021 von den Wassermassen extrem hart getroffen.
Die geografische Lage des Ortes gleicht in puncto Hochwasserschutz einer permanenten Herausforderung: Die Olef, ein eigentlich beschaulicher Nebenfluss der Urft, schlängelt sich hier durch das gesamte, tief eingeschnittene Gemeindegebiet im Tal.
Entsprechend dramatisch war die Anzahl der durch die Flut zerstörten oder schwer beschädigten Häuser. Die Katastrophe traf dabei auf Versäumnisse der Vergangenheit: In den bauboomenden 1960er und 1970er Jahren war im Tal großzügig direkt im natürlichen Flutbett der Olef gebaut worden – ein folgenschwerer Fehler, der sich bitter rächen sollte.
In der Folge der Sturzflut mussten zeitweise bis zu 1.000 Menschen in provisorischen Behelfsunterkünften leben. Besonders tragisch: Neun Todesopfer waren allein im Gemeindegebiet zu beklagen.
Sichtbare Narben der Katastrophe
Wer heute durch Schleiden geht, stößt auch ein halbes Jahrzehnt nach der Katastrophe auf unübersehbare Spuren der Zerstörung. Besonders deutlich lässt sich die unvorstellbare Gewalt der damaligen Wassermassen an einer Fußgängerbrücke nachvollziehen, die bis heute unrepariert als Mahnmal im Ort steht. Verbogene Stahlträger und blockierte Wege zeugen stumm von der damaligen Naturkatastrophe.
Auch die regionale Infrastruktur liegt in weiten Teilen noch am Boden. Die historische Eisenbahnstrecke, die von Kall über Schleiden nach Hellenthal führt, ist heute völlig überwuchert und weiterhin absolut unbefahrbar.
Die Schienen, die einst Touristen und Pendler transportierten, versinken im Grün. Ob, wie und wann diese wichtige Verkehrsader jemals wieder reaktiviert wird, ist auf politischer Ebene bis heute nicht endgültig entschieden.
Fünf Jahre nach der Flut bleibt das Gefühl im Tal zwiegespalten: Während der private Wiederaufbau vorankommt, zieht sich die Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur zäh in die Länge. Der Wandel hin zu einem wirklich hochwassersicheren und modernisierten Tal steht vielerorts noch aus.
Lest hier nochmals Teil 1 unserer Serie - ein Besuch in Ahrhütte
Weitere Impressionen aus Schleiden vom 15.05.2026:
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